Wunsch und Wille sind ein tolles Team!

Das kann auch passieren. Gleichzeitig erschaffe ich mir damit einen Freiraum, der mir hilft, meinen Wunsch nach einer positiven Veränderung zu erfüllen. Wie ich diesen Freiraum dann gestalte, ist meine eigene Verantwortung. Ich kann Tag für Tag einen neuen guten Grund finden, um mich nicht an den Computer zu setzen und zu schreiben. Ich kann mich auch an den Computer setzen, erstmal meine E-Mails anschauen und dann noch einen sehr interessanten Artikel im Internet lesen und dann noch einen und noch einen… bis es Zeit ist, mit dem Hund nach draussen zu gehen und zu kochen. Am Ende des Tages werde ich mich wahrscheinlich schlecht fühlen, weil ich wieder alles Mögliche gemacht habe, aber nicht das, was ich wollte: Schreiben.
Und ich kann mich auch so wohlig wie möglich in meinem Arbeitszimmer einrichten: ein schöner warmer Tee, frische Luft, wohltuende Klänge – alles, was meinem Vorhaben dient, ist erlaubt. Es ist meine Zeit; die Zeit für meinen Wunsch. Dieser Wunsch wird besonders wirksam, wenn ich eine möglichst genaue Vorstellung davon habe.
Im Focusing entwickeln sich aus dem körperlichen Erleben neue, detaillierte Erkenntnisse. Man könnte sagen, dass ich meinen Wunsch verkörpere, mit allem, was dazugehört. Meine Motivation, meine Bedürfnisse, Hindernisse und auch Lösungsmöglichkeiten werden für mich in diesem Moment eindrucksvoll deutlich wahrnehmbar.
Wie fühlt es sich an, wenn ich mich für eine gewisse Zeit und in aller Ruhe mit einem Thema beschäftige, das mir gerade sehr wichtig ist? Und sich dann plötzlich Wort um Wort einfindet, bis ein stimmiger Satz entstanden ist. Und obwohl ich anfangs keine Idee davon hatte, was ich schreiben könnte, ist zu meinem Erstaunen am Ende doch ein ganzer Text entstanden.
Und was ist noch da? Wie fühle ich mich, wenn ich vor meinem Arbeitszimmer abbiege, weil ich plötzlich ganz dringend staubsaugen muss? Oder ich überlege, ob ich noch schnell meine E-Mails anschauen sollte, obwohl ich weiss, dass dies der erste Schritt sein wird, um wieder nichts zu schreiben? Wie fühlt sich meine Sorge an, dass mir nichts Schlaues einfällt, das auch andere interessieren könnte?
Mit diesem Bewusstsein kann ich meinen Vorsatz genauer formulieren und ihn besser an mich selbst und an meine gegenwärtige Situation anpassen. Auf diese Weise kann ich seiner Erfüllung einen Schritt näherkommen. Das fühlt sich gut an und hilft mir, bei meinem Vorsatz zu bleiben.
«Freiraum schaffen» ist ein wichtiges Element im Focusing. Meine Erfahrung hat mich allerdings auch gelehrt, dass ich mich in Freiräumen gerne mal verliere. Hier finde ich die Kraft des Willens sehr hilfreich. Roberto Assagioli, der Begründer der Psychosynthese hat den Willen sehr genau erforscht. Der starke Willen, ist wahrscheinlich auch Ihnen am besten bekannt. Zusätzlich gibt es auch noch den geschickten Willen, den guten Willen, und den spirituellen Willen. Mit Hilfe dieser unterschiedlichen Arten des Willens kann ich meine Freiräume so strukturieren, dass ich sie für mich nutzen kann und sie mir nicht zwischen den Fingern zerrinnen. Wie komme ich z.B. am Staubsauger oder an Google vorbei, um mich mit meinem Vorsatz zu beschäftigen? Ich könnte meinen starken Willen gebrauchen, der mich ungeachtet meiner Bedürfnisse und Sorgen jeden Tag zur selben Zeit in mein Arbeitszimmer schickt. Zwingende Strenge und Kreativität passen allerdings nicht gut zusammen. Mein geschickter Wille kann in dieser Situation mit einladenden Argumenten zu Hilfe kommen. Er könnte mir sagen, dass ein paar unvollständige Sätze zumindest ein Anfang ist – auf alle Fälle mehr als kein einziges Wort. Ich soll doch erst einmal in mein Arbeitszimmer gehen, um ein paar Klänge zu hören, die mir wohltun und mein Nervensystem in eine günstige Ausgangsaktivität bringt. Fehlt noch etwas? Welche Musik könnte helfen, vielleicht eine Kerze? Dann könnte ich doch mal einen Blick in meine Notizen werfen – nur mal darauf schauen, ob mir Gedanken dazu kommen. Jeder Schritt ist eine bewusste Vorbereitung auf die Entstehung eines neuen Artikels. Und so lenkt der geschickte Wille meine Aufmerksamkeit und damit auch meine Energie auf die Wunscherfüllung und lässt mich Staubsauger und Google vergessen. Der gute Wille könnte mich dadurch überzeugen, dass meine Gedanken möglicherweise auch andere Menschen unterstützen könnten, wenn ich mich jetzt hinsetze und sie aufschreibe. Diese Möglichkeit ergibt sich nicht, wenn ich es nicht einmal versuche. Und der spirituelle Wille lockt mich dadurch, dass ich immer mehr den Sinn und die Essenz des Lebens verstehe, wenn ich in aller Ruhe denke und schreibe.
So, wie ich für verschiedene Bewegungen unterschiedliche Muskeln benötige, so kann ich je nach Stimmung und Situation auch die verschiedenen Formen des Willens gebrauchen. Roberto Assagioli und auch sein Schüler Piero Ferrucci beschreiben ausführlich, wie der Wille auf eine wohlwollende und lebensfördernde Art trainiert werden kann.
Mit dieser Art zu wünschen und zu wollen bestimme ich darüber, was genau sich positiv in meinem Leben verändern soll und vor allem, wie ich dies erreichen will.
So komme ich zu dem Schluss, dass ein Wunsch ohne Willen zu schwach sein mag, um in Erfüllung zu gehen - und ein Wille ohne Wunsch erscheint mir hohl. Beide zusammen sind ein tolles Team für ein Leben in Selbstbestimmung und Würde.
Wie erfüllen Sie sich ihre Wünsche? Was hilft und welche Hindernisse kennen Sie? Ich bin gespannt darauf, von Ihnen zu lesen – entweder direkt hier oder auch gerne per E-Mail an post@nicolanaula.ch
Geschrieben am: 30.01.2024
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