Herbstleid – Herbstfreud

Die erste Saison mit unserem Hochbeet neigt sich dem Ende zu. Unter der wohlwollenden Herbstsonne befreie ich die Pflanzen von alten Blättern und schaffe Platz für den nächsten Frühling. Ich fühle mich glücklich und dankbar für meine erste reiche Ernte nach diesem prachtvollen Sommer. Gleichzeitig erlebe ich mit Wehmut, wie sich das Beet leert. Wie wird wohl das nächste Jahr? Ich erinnere mich noch lebhaft an das Bangen und Hoffen bei der Aussaat, an die Freude über die ersten Keimlinge und die Sorge darüber, was sie wohl alles brauchen, um weiter zu wachsen und zu gedeihen. Werde ich es wieder schaffen? Und was, wenn auf diesen Winter kein Frühling folgen würde und das Hochbeet leer bliebe?
Mit diesen herbstlichen Gedanken wird das Hochbeet für mich zu einem Sinnbild für die Lebensgestaltung: Gedanken, Vorstellungen und Wünsche befinden sich in meinem Kopf, wie die Pflanzen in ihrem Samenkorn. Von aussen vielleicht noch ganz unscheinbar, aber in ihrem Inneren ist alles schon vorhanden: Form, Farbe, Geruch, Geschmack, die Beschaffenheit der äusseren Hülle und der Textur im Inneren.
Bei der Aussaat ist zu beachten, dass jedes Samenkorn und spätestens jeder einzelne Sprössling die passende Tiefe und ausreichend Raum bekommt, um sich zu entwickeln und zu wachsen. Ähnlich ist es, wenn meine Vorstellungen und Wünsche zu konkreten Plänen und Projekten werden sollen: Sie brauchen ausreichend Zeit und Beachtung, um in meinem Leben zu wurzeln und weiter zu keimen. Von nun an kann ich ihr Wachstum direkt miterleben: Neben der Freude über das Wachstum wird es auch mühsame Phasen geben, in denen es plötzlich ganz viel gleichzeitig zu tun gibt - und noch mühsamere Phasen, in denen ich aushalten muss, dass ich nur abwarten und gar nicht viel tun kann. Mit Sicherheit werde ich meine Vorhaben auch gegen Kritiker und andere Fressfeinde verteidigen müssen, die mir den Lohn meiner Mühe streitig machen wollen. Wenn die Früchte reif sind, ist es wichtig, rechtzeitig zu ernten, um sie mit ihrem vollen Gehalt in mein Leben zu bringen.
Alles hat seine Zeit - Aussaat, Wachstum und Ernte. Für die Pflanzensamen sind alle wichtigen Informationen dazu auf ihrer Verpackung vermerkt. Für meine Lebensgestaltung muss ich meine eigenen Erfahrungen sammeln und ausprobieren, um ein verlässliches Gespür für die passende Zeit und Reihenfolge zu gewinnen. Das Hochbeet wurde für mich in diesem Jahr zur Übungsfläche: Mancher Plan ging auf, einiges musste angepasst oder sogar ausgetauscht werden und manche Pflanzen erblickten leider nie das Licht der Welt. Vieles kann ich beeinflussen, aber die Umweltbedingungen müssen auch passen – und manchmal ist einfach der Wurm drin… Alles, wie im wirklichen Leben – Ich würde sogar sagen: Das ist das wirkliche Leben!
Und wenn das Hochbeet dann mal dauerhaft frei bleiben sollte? Dann träumt die Erde vielleicht in Dankbarkeit von all den Pflanzen, denen sie Nahrung und Halt gegeben hat.
Der direkte Kontakt mit den Pflanzen hilft mir, mich selbst wieder als Teil der Natur zu erleben. Als solcher; und mit der gebührend wohlwollenden Beachtung und Fürsorge, kann ich den Zyklus aus Werden, Wachsen und Vergehen auch für mich leichter annehmen.
Dies ist mein Erleben zum Thema «Herbst & Leben». UND: wie sehen Sie das?
Ich bin gespannt darauf, von Ihnen zu lesen – entweder direkt hier oder auch gerne per E-Mail an post@nicolanaula.ch
Geschrieben am: 21.11.2023
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